Mündigkeit – die Fähigkeit, zu gestalten, was zählt.

Menschen begegnen der Welt nicht einfach so, wie sie ist. Wir erschließen sie sprachlich: Wir unterscheiden, benennen, deuten – und leben und handeln in den Wirklichkeiten, die dabei entstehen.

Was wir für Wirklichkeit halten, trägt deshalb immer auch die Spuren unseres Sprachgebrauchs.

Darin liegt eine große menschliche Möglichkeit:

Wirklichkeit ist nicht nur gegeben. Sie ist auch sprachlich gestaltbar, entfaltbar und entwickelbar.

Mündigkeit wird zur Zukunftskompetenz

Mündigkeit bedeutet heute mehr, als eine eigene Meinung zu haben oder selbstständig zu entscheiden.

Sie ist die Fähigkeit, die eigene Wahrnehmung weiterzuentwickeln, Begriffe und Deutungen zu überprüfen und den eigenen Sprachgebrauch zukunftsfähig zu machen.

Denn unser Wortschatz kommt aus der Vergangenheit. Er trägt wertvolles Wissen und Erfahrungen in unsere Gegenwart – aber er kann die Möglichkeiten einer Zukunft, die heute noch nicht existiert, niemals beschreiben.

Genau hier beginnt Mündigkeit:

Wir können sprachfähig werden für das, was noch nicht keine Wörter hat.

Leadership beginnt mit der Verantwortung für die eigene Sprache

Technologische Entwicklung, gesellschaftlicher Wandel und generative KI verändern unsere Wirklichkeit schneller, als wir neue Begriffe für sie entwickeln.

Es entsteht eine Lücke zwischen dem bereits Sagbaren und dem noch nicht Sagbaren.

Diese Lücke der Sprachlosigkeit ist kein Defizit. Sie ist ein Entwicklungsraum.

Wer spricht, führt mit Sprache und entscheidet mit ihrem Gebrauch, welche Wirklichkeit Aufmerksamkeit bekommt, welche Möglichkeiten vorscheinen können und welche Zukunft Menschen gemeinsam für möglich halten.

Deshalb reicht es nicht, gut zu kommunizieren, wir sollten auch sagen können, was morgen selbstverständlicher Weise vernünftig ist.

Wie wir was wir sagen, trägt die Zukunft in sich.

Das ist Leadership in einer Zeit, deren Zukunft offen und deren Wirklichkeit noch nicht fertig beschrieben ist.