von Lena Buß

Es führt das Wort

In dieser Rubrik dürfte eines deutlich geworden sein: In dem wir unsere Sprache transformieren, verändern wir unsere Realität. Diese Einfachheit sollte dabei nicht verwechselt werden mit der alltagssprachlichen Verwendung des Wortes „einfach“. Es ist zwar wahrhaftig eine simple Tatsache, dass wir mit der Veränderung unseres Sprechens eine neue Wirklichkeit gestalten können, dennoch liegt im Einfachen die Mannigfaltigkeit des Lebens und diese ist keines Wegs langweilig oder arglos.

Um zur Einfachheit zu gelangen brauchen wir Vertrauen. Denn durch Vertrauen reduzieren wir Komplexität. Das ist keine Gegebenheit, sondern eine Praxis. Wir können es (er)schaffen, üben und nutzen und das eröffnet uns Handlungsmöglichkeiten. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass bestimmte Selbstkonzepte immer wieder dazu führen, dass wir von unserem (Selbst)vertrauen abweichen.

Das Real-Selbst beinhaltet die gegenwärtigen Beurteilungen über sich selbst. Das Ideal-Selbst die Vorstellung wie man gern wäre und das Normative-Selbst die Vorstellung wie man der Meinung anderer nach sein sollte (siehe Erikson). Um in Vertrauen mit sich und der Welt zu sein, müssen diese Selbstkonzepte weitgehend übereinstimmen. Nun kommt es im Alltag aber immer wieder zu Abweichungen. Bestehen diese länger, so werden wir unzufrieden, handlungsscheu und erstarren. Viele dieser Abweichungen entstehen, wenn wir uns mit anderen vergleichen, aber auch der Umgang mit ungewollten Emotionen kann zu Diskrepanzen zwischen unseren Selbstkonzepten führen.

Gerade bei negativen Emotionen und Gedanken neigen wir dazu, uns in unsere Selbstkonzepte fallen zu lassen oder wir verdrängen und ignorieren. Für den Moment scheint diese Art damit umzugehen unproblematisch, doch langfristig schadet uns diese Praxis, da wir so in Widerspruch mit unseren Selbstkonzepten und Emotionen sind. Wir müssen feststellen, wo der Mangel liegt. Nur so können wir die Lücke schließen. Festzustellen, was fehlt, allein das zu formulieren hilft, dass wir uns unsere (Gefühls)welt zu eigen machen und authentisch mit uns selbst kommunizieren.

Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes authentischselbst, eigen oder zum Urheber in Beziehung stehend, zeigt uns die Verbindung zur (eigenen) Sprache. Wir sind dabei sowohl die Urheberin, wie auch die Gestalterin unserer Sprache. Unsere Wirklichkeitsmodelle, die sich in unserer Wortwahl spiegeln, bestimmen unser Verhalten. Die Magie liegt also im Wechselspiel mit unserer Sprache und dem, was wir in der Realität sichtbar machen wollen.

Egal ob Framing, Refraiming oder Presencing, die Kommunikationsformen und Praktiken haben eines gemeinsam: Sie sind Werkzeuge, die uns gezielt helfen den realitätsschaffenden Anteil von Sprache sichtbar zu machen und sie zeigen, wie Menschen interagieren. Wir können diese Werkzeuge verwenden und sie uns zu eigen machen und dennoch sollten wir niemals die Einfachheit und die Funktion vergessen, denn Sprache ist: "[...] das immer wieder erneuernde Bemühen des menschlichen Geistes, artikulierte Laute zu nutzen, um Gedanken zu äußern.“1

Es führt das Wort. Wohin es uns führt, bestimmt allein seine Bedeutung und der Glaube daran. 

 

 

 

 

 

 

 

 

1Cassirer, Ernst: Versuch über den Menschen. Einführung in eine Philosophie der Kultur. Hamburg 1996: 188.

 


Über Lena Buß

Kulturwissenschaftlerin, aufgewachsen in Offenburg. Mit European Talk folgt sie ihrem Bedürfnis nach einer bewussten und zukunftsorientierten Sprache. Bachelorstudium in Kulturanthropologie und VWL an der Universität Freiburg, aktuell im Masterstudium.

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